Berichte aus Belozem
- "Ich bin nur ein Werkzeug in Gottes Händen" - Bruder Gregor im Gespräch (11/ 2011)
- Interview mit Bruder Gregor: Aus Armenküche erwächst ein soziales Netzwerk (9/ 2011)
- Armut hat viele Gesichter - Bericht vom Projektbesuch im März 2009
- Spontane Kleideraktion für Belozem (2/2008)
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“Ich bin nur ein Werkzeug in Gottes Händen“
Bruder Gregor im Gespräch
Seit 2006 leitet der polnische Kapuzinerbruder Gregor die Armenküche „St. Anton“ in Belozem, in einer der ärmsten Regionen Bulgariens. Bereits vor 10 Jahren wurde die Küche von den Mitbrüdern ins Leben gerufen, denn nicht wenige der rund 4000 Einwohner von Belozem leben am Existenzminimum und leiden Hunger. Rund 70 - 80 Kinder und hilfsbedürftige ältere Menschen bekommen dort sechs Tage die Woche ein warmes Mittagessen angeboten. Kinder aus sozial schwachen Familien sowie ältere Menschen, Kranke und Pflegebedürftige, die kein regelmäßiges Einkommen haben, sind willkommen. Seit 2004 werden alle anfallenden Kosten für die Armenküche (Löhne für die beiden Köchinnen, Nahrungsmittel sowie Unterhaltskosten der Küche) ausschließlich durch CED-Spendengelder bestritten.
CED: Sie leiten nicht nur seit 2006 die Armenküche, sondern leben auch Ihren Mitmenschen ehrenamtliches Engagement für Bedürftige vor. Mussten Sie die Bewohner von Belozem erst einmal dafür sensibilisieren oder fanden Sie schnell Mitstreiter?
Bruder Gregor: Am Anfang gab es wenige Menschen, die sich für die Not der Anderen interessierten. Die Gründe dafür liegen sicher in der kommunistischen Vergangenheit des Landes. Jetzt bin ich seit sechs Jahren hier und es kommen immer mehr Leute, die etwas geben wollen, die auch armen Menschen helfen wollen. Manche spenden Lebensmittel, andere ihre Zeit. Mittlerweile geht es nicht nur um eine warme Mahlzeit, wir geben auch Schulmaterial, Kleidung, Heizmaterial und Medikamente an Bedürftige ab und machen Aktionen für die Kinder.
CED: Woran fehlt es denn den Kindern am meisten?
Bruder Gregor: Einmal habe ich ein kleines Kind hochgehoben und gesehen, dass an seinen Schuhen die Sohlen fehlten. Aber die Kinder brauchen nicht nur Kleidung und Essen, sie brauchen Wärme und Aufmerksamkeit, jemanden, der mit Ihnen die Zeit verbringt. Wir haben dann angefangen, mit ihnen zu basteln, zu spielen und zu singen.
CED: Warum ist die Not in Belozem so groß?
Bruder Gregor: Die Finanzkrise spürt man auch in Belozem. Viele Männer haben in Griechenland gearbeitet. Sie waren unter den ersten, die bei Beginn der Krise ihre Arbeit verloren haben und zurückgekehrt sind. In Belozem gibt es wenig Arbeit, etwas Feldarbeit, eine Zeltfabrik, ein Werk einer westlichen Firma und einige pendeln in die Großstädte zum Arbeiten. Aber auch für Familien mit einem Einkommen, bleibt kaum genug zum Überleben. Ein Monatslohn liegt bei 200 bis 300 Euro. Das reicht nicht für die Kosten von Strom, Essen und die Wohnung. Außerdem gab es hier früher Uranminen. Viele Menschen sind an den Folgen der Strahlung gestorben, sie haben Waisen und Halbwaisen hinterlassen. Gerade in der kalten Jahreszeit ist die Not am größten. Die Winter sind hier sehr streng, manchmal höre ich die Menschen in ihren Häusern vor Hunger und Kälte schreien.
CED: Worin sehen Sie die größten Probleme in der Region?
Bruder Gregor: Mit der Schulbildung sieht es schlecht aus. Gerade die älteren Geschwister, die Mädchen, müssen sich um die Jüngeren kümmern und können deshalb nicht zur Schule gehen. Damit haben sie kaum die Möglichkeit, einen Beruf zu erlernen. Noch dazu gibt es keine Einrichtungen für Kinder und Jugendliche in Belozem, sie wissen nichts mit sich anzufangen. Wenn ich mit ihnen spreche, merke ich oft, dass sie das perfekte Leben suchen, das sie aus dem Fernsehen kennen. Aber das Leben ist nicht perfekt, das Kreuz gehört dazu.
CED: Was macht Ihnen an Ihrer Arbeit Freude?
Bruder Gregor: Viele der älteren und hilfsbedürftigen Menschen sind dankbar, dass sich jemand für sie interessiert, ihnen helfen möchte. Als Dank für Lebensmittelspenden, Kleidung oder Heizmaterial stricken die Frauen Socken und schenken sie uns. Auch freut es mich, dass die Menschen in Belozem anfangen, sich für ihre Mitmenschen einzusetzen. Das ist langsam über die vergangenen Jahre gewachsen. Dieses Jahr wurde sogar ein CED-Helferkreis in Belozem gegründet. Dieser hat bereits einen Basar, einen Second-Hand Verkauf und einen Blumen- und Kuchenverkauf organisiert. Die gesammelten Spenden kommen unserer Arbeit in Belozem, aber auch den anderen Hilfsprojekten des CED zugute. Diese Entwicklungen freuen mich, aber das hat wenig mit mir zu tun, ich bin kein Held. Ich bin nur ein Werkzeug in Gottes Händen!
CED: Trotzdem ist Ihr Einsatz für Ihre Nächsten offensichtlich ein Vorbild für andere Menschen. Eine letzte Frage noch: Welche Aktion steht als nächstes an?
Bruder Gregor: Jedes Jahr an Weihnachten veranstalten wir ein Krippenspiel. Mir geht es darum, den Kindern aus der Sozialküche eine Freude zu machen. Viele wurden noch nie eingeladen, bei einem Theaterstück mitzumachen. Und dann sind sie mit aller Freude dabei! Das ist ein echtes Weihnachtsgeschenk. Wenn Gott in den Herzen der Menschen geboren wird, dann ist Weihnachten. Gott ist die Liebe. Wenn wir Liebe weitergeben, so wird sie nicht weniger, sondern mehr. Ich versuche durch meine Arbeit diese Liebe Gottes zu uns Menschen sichtbar zu machen.
Wir möchten an dieser Stelle allen danken, die bereits für Bruder Gregors Armenküche gespendet haben. Aber auch in diesem Winter brauchen wir dringend Unterstützung, um die Menschen in Belozem mit Heizmaterial und warmen Essen versorgen zu können! Bitte helfen Sie uns zu helfen!
| für den CED, Katja Herzum, November 2011 |
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„Beim CED kann ich Kraft tanken“
Bruder Gregor schildert seine Erlebnisse aus Belozem – ein Interview
Der Kapuzinerpater Christoph und sein Mitbruder Gregor betreuen seit 2006 die Armenküche „St. Anton“ in Belozem (Bulgarien), die im Jahr 2001 ins Leben gerufen wurde. Dort werden werktags rund 80 Kinder, ältere Menschen und Kranke mit einer warmen Mahlzeit versorgt. Die CED-Stiftung, Christlicher Entwicklungsdienst (CED) unterstützt das Hilfsprojekt seit vor fünf Jahren jegliche Unterstützung für die Armenspeisung St. Anton weggefallen ist.
Mitte Oktober 2009 war Bruder Gregor anlässlich des „4-Kontinente-Essens“ zu Gast in München. Im Gespräch mit dem CED schildert er Erlebnisse aus seinem Alltag in Belozem und zeigt die aktuelle Situation der Armenküche auf.
CED: Die Armenküche gibt es seit 2001. Was hat sich seitdem verändert?
Bruder Gregor: Die ersten zwei Jahre konnten nur ältere Leute und Kranke versorgt werden. Seit 2002 bekommen auch die Kinder im Dorf eine warme Mahlzeit. 2004 fielen dann die Spenden durch die Caritas weg und der CED übernahm die Unterstützung. Abgesehen von der Armenspeisung entwickelt sich auch Schritt für Schritt ein soziales Netzwerk im Dorf, das es so vorher nicht gab.
CED: Können Sie das näher erklären?
Bruder Gregor: In Belozem ist es nicht üblich, dass sich Familien um ihre alten und kranken Angehörigen kümmern. Die Dorfbewohner würden nie auf die Idee kommen, einem kranken Menschen, der selbst nicht zum Essen kommen kann, eine warme Mahlzeit zu bringen. Das ändert sich nun langsam: mittlerweile gibt es zum Beispiel den 12-jährigen Viktor, der eine alte Frau mit Essen aus der Armenküche versorgt. Oder den 80-jährigen Kiro, der auf dem Fahrrad die Speisen für drei kranke Dorfbewohner mitnimmt.
CED: Woher wissen die Leute von der Armenküche?
Bruder Gregor: Ich mache aktiv Werbung. Vor kurzem habe ich zwei Tage lang im Rahmen des Dorffestes eine Straßentombola gemacht. Unser Blickfang war ein handgenähtes, fast lebensgroßes Kamel, in dem zwei Kinder durch die Straßen liefen. Außerdem gab es Bohnensuppe und eine Tombola für die Standbesucher. In einer Bastelecke konnten Kinder Windräder, Blumen und Figuren selber machen. Das hat Aufmerksamkeit erregt und unsere Arbeit in St. Anton bekannt gemacht.
CED: Was machen Sie sonst noch mit den Kindern?
Bruder Gregor: Eine Woche nach Weihnachten haben 30 Kinder und Jugendliche mit mir ein Weihnachtskonzert und Krippenspiel in der Kirche gestaltet. Außerdem organisiere ich jedes Jahr ein Sommerlager für Kinder aus armen Familien. Viele Kinder können zum ersten Mal in ihrem Leben eine Dusche benutzen. Für Kinder, die nicht ins Lager mit können, mache ich Bastelworkshops. All das holt sie aus ihrem oft sehr harten Alltag und bringt sie zum Lachen. Jedes Jahr im Herbst statte ich die Kinder mit Kleidung, Schuhen und Schulmaterial aus, damit sie die Schule besuchen können, denn Bildung ist sehr wichtig.
CED: Wofür werden die CED-Gelder eingesetzt?
Bruder Gregor: Durch die Gelder können wir nicht nur Kinder und hilfsbedürftige Menschen mit einer warmen Mahlzeit versorgen, sondern wir konnten auch Arbeitsplätze schaffen. Wir geben zwei Köchinnen Arbeit und beschäftigen eine arme Frau, die vier Kinder hat und auf dieses regelmäßige Einkommen angewiesen ist. Im letzten Winter konnten wir für zehn Familien Brennmaterial kaufen – das waren rund 150 Menschen die dadurch nicht frieren mussten.
CED: Was können Spenden ganz konkret bewirken?
Bruder Gregor: Mit einem Euro kann bereits ein warmes Essen bezahlt werden. Für 80 Euro bekommen alle Bedürftigen an einem Tag eine warme Mahlzeit. Mit 100 Euro kann eine Tonne Kohle finanziert werden. Das bedeutet, dass mit Wenig bereits Viel erreicht werden kann.
CED: Was bedeutet für Sie der Besuch in München?
Bruder Gregor: Hier in München beim CED und im Kontakt mit den Helfern und Spendern bekomme ich viel Kraft und Hoffnung. Der CED ist wie eine Tankstelle, ich kann meine Energiereserven auffüllen. Und ich spüre, dass ich mit den großen Sorgen und Nöten für die Menschen in Belozem nicht allein gelassen werde.
| für den CED, Martina Seiler, Januar 2010 |
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Armut hat viele Gesichter
Drei CED-Helfer berichten von ihrem Projektbesuch in Belozem
Armut hat viele Gesichter. Während 4 Tagen haben wir in viele unterschiedliche Gesichter geschaut. Dabei haben wir Schicksale gesehen, die bewegen, Situationen, die nur schwer zu begreifen und in Worte zu fassen sind.
Die Dankbarkeit für die Hilfe durch die Arbeit von Bruder Gregor und Pater Christoph sowie die Mitarbeiterinnen Frau Zebrianka und Frau Petran der Armenküche war den Armen anzusehen. Wir (Monika, Kerstin und Marie-Antoinette) wurden überall sehr herzlich empfangen. Die Kinder haben für uns sogar ein Kulturprogramm einstudiert als Zeichen der Dankbarkeit für die Unterstützung durch den CED.
Hier möchten wir kurz drei Einzelschicksale schildern, die jede von uns am nachhaltigsten beschäftigt.
Maximilian ist 3 Jahre und lebt bei seiner Großmutter Frau Penna in direkter Nachbarschaft zur Armenküche „St. Anton“. Beide kommen jeden Tag zum Essen. Maximilians Mutter kümmert sich nicht um ihren Sohn und ihre Mutter, es besteht kaum Kontakt, sie will ihr eigenes Leben in der Stadt leben.
Maximilian und seine Oma leben von einer sehr geringen Sozialhilfe, Rente bekommt Frau Penna nicht. Das Geld reicht kaum. In ihrem kleinen Haus gibt es nur in einem kleinen Raum einen Ofen. Ohne das Essen aus der Armenküche sowie die Kleidung und die Kohlen für den kalten Winter, welche Bruder Gregor dank der finanziellen Unterstützung durch den CED verteilen kann, wäre ein Überleben sehr schwer möglich.
Frau Penna ist es unangenehm, dass sie so arm und auf fremde Hilfe angewiesen ist. Sie hat ihr ganzes Leben gearbeitet und hat jetzt nicht genug zum Leben.
Frau Velika (81 Jahre), eine Witwe in Belozem bekommt im Monat eine Witwenrente von 135 Leva, das sind umgerechnet 70,- EURO. Sie kommt ebenfalls zur Armenküche, da sie es nicht mehr schafft, einkaufen zu gehen und für sich zu kochen. Sie ist unsagbar dankbar für die Unterstützung. Wenn sie Geld übrig hat, bezahlt sie einen kleinen Beitrag für ihr Essen. Sie ist eine von den Frauen, die sich selbst einbringen wollen und für die CED-Basare häkelt und strickt.
Frau Maria hat einen psychisch kranken Sohn, der Medikamente einnehmen muss, da er sonst zu Gewalttätigkeiten neigt. Da der alte Ofen nicht mehr zu gebrauchen und eher gefährlich war, hat die Pfarrgemeinde ihr letztes Jahr einen neuen geschenkt. Sie ist sehr glücklich darüber und dankbar. Die Geschichte des Ofens ist eine kleine Erfolgsgeschichte. Mit kleinen Basaren und Spendenaktionen vor Ort konnte Bruder Gregor im letzten Jahr 80 Euro einnehmen und so den Ofen für Frau Maria finanzieren. Das Beispiel der Spendenaktionen des CED hier in Deutschland hat dort eine Handvoll Menschen bewegt, vergleichbares in ihrer Heimat tun. Ein erster Schritt zur Selbsthilfe.
| März 2009 |
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Erfolgreiche Kleideraktion für die Kinder in Belozem
Anfang Februar kündigte Bruder Gregor aus Belozem (Bulgarien) einen kurzfristig geplanten Besuch in München an und bat um eine spontane Hilfssammlung – dringend benötigt werden in seiner Gemeinde Kleidung und Schulmaterialien. Die Helferkreise München und Allgäu wurden sofort aktiv und organisierten übers Wochenende private Sammelaktionen.
Am Montagabend, den 11. Februar, traf Bruder Gregor mit seinem Kleinbus in St. Joseph ein, wo ihn einige CED-Helfer und unzählige Tüten, Koffer und Kartons mit Kleidungsstücken, Schuhen und Schulmaterialien bereits erwarteten. Nach einigem Hin- und Herschichten, Drücken und Stopfen waren alle Spenden in dem Kleinbus verstaut. Beim gemeinsamen Abendessen berichtete Bruder Gregor von den Verhältnissen in Belozem und insbesondere von der Situation der Schulkinder. Natürlich informierte er die CED-Helfer auch über den aktuellen Stand in der Armenküche, dem CED-Hilfsprojekt in Belozem. Im Namen seiner Gemeinde bedankte sich Bruder Gregor für die großzügige und spontane Hilfe, über die sich in Belozem viele Menschen – vor allem Kinder und ältere Leute – freuen werden.
Bereits in den frühen Morgenstunden des nächsten Tages steuerte Bruder Gregor seinen bis zur Decke gefüllte Kleinbus wieder Richtung Bulgarien.
| von Monika Renz, CED-Kempten, Februar 2008 |
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